Das Data Center Maturity Model (DCMM) ist das 2011 von The Green Grid — dem internationalen Konsortium für die Effizienz von IT-Infrastrukturen — veröffentlichte Modell, um Effizienz und Nachhaltigkeit eines Rechenzentrums zu messen. Es bewertet die Infrastruktur auf einer Skala von sechs Stufen (0–5) und entlang zweier großer Dimensionen — der Facility (Stromversorgung, Kühlung, Gebäude, Betrieb) und der IT (Compute, Storage, Netzwerk) — mit einem einfachen Prinzip: Jeder zusätzliche Reifeschritt bringt mehr Effizienz und Nachhaltigkeit, gegen einen Einsatz von Geld, Zeit und Ressourcen. Das Ergebnis ist keine Note, sondern eine Roadmap: wissen, wo Sie heute stehen, um zu entscheiden, wohin es morgen gehen soll.
Sechs Stufen, eine Richtung
0 · Ausgangspunkt
Keine Messung und kein Plan: Man weiß weder, wie viel verbraucht noch wie viel genutzt wird, und eingegriffen wird erst, wenn etwas stehen bleibt.
1 · Punktuelle Best Practices
Erste Messungen und erste Maßnahmen, aber nur stellenweise: Einiges ist optimiert, der Rest läuft aus Trägheit weiter.
2 · Best Practices
Bewährte Praktiken, konsequent angewendet: Es wird gemessen, gesteuert, dokumentiert. Das ist die Schwelle guter Betriebsführung.
3–4 · Über die gängige Praxis hinaus
Konsequente Optimierung und Automatisierung: Entscheidungen folgen definierten Metriken und Richtlinien, nicht Gewohnheiten.
5 · Visionär
Der Horizont des Modells: Infrastrukturen, die sich selbst an die Last anpassen, emissionsarme Energie, Verbrauch proportional zur geleisteten Arbeit.
Was das Modell betrachtet
Facility
- Stromversorgung: Effizienz der elektrischen Kette, UPS, emissionsarme Erzeugung
- Kühlung: Free Cooling und Economizer-Betrieb, Sollwerte, Luftstrommanagement
- Resilienz und Gebäude: Abstimmung der Resilienz auf den realen Bedarf, Beleuchtung, Gebäudehülle
- Betriebsmetriken: PUE, Abwärmenutzung (ERF), CO₂-Fußabdruck (CUE) und Wasser-Fußabdruck (WUE)
IT
- Compute: reale Auslastung der Server, Virtualisierung, Power Management, TCO-gesteuerter Refresh
- Storage: Deduplizierung, Daten-Tiering, am tatsächlichen Bedarf ausgerichtete Kapazität
- Netzwerk: Bandbreitennutzung, Konsolidierung, abgeschaltete Komponenten, wenn sie nicht gebraucht werden
- Das IT-Umfeld: Dimensionierung, effiziente Netzteile, Servicekatalog, Anreize für effizientes Verhalten, E-Waste und Beschaffung
Einige Schwellenwerte, zur Einordnung
Das Modell besteht nicht aus Adjektiven, sondern aus messbaren Kriterien. Einige Beispiele, von Stufe 1 bis Stufe 5:
90% → 96%
Effizienz der kritischen elektrischen Kette
0,5 → 0,05
jährlicher Beitrag der Kühlung zum PUE
>20% → >60%
durchschnittliche monatliche Serverauslastung (ab Stufe 2)
Plan → 0,5
Nutzung der Abwärme (ERF-Faktor)
Man muss kein Hyperscaler sein
Das DCMM wurde für große Rechenzentren entwickelt, doch seine Fragen gelten unverändert auch für einen Serverraum mit drei Racks: Wie viel verbraucht die Kühlung im Verhältnis zur IT? Wie viel leisten die Server wirklich? Belegen kalte Daten teuren Storage? Gibt es einen Plan, oder wird erst bei Ausfall eingegriffen? Deshalb nutzen wir es als Analyseraster auch — und gerade — in kleineren Umgebungen:
- Messen, bevor investiert wird. Der erste Schritt kostet oft fast nichts: ein Verbrauchsmessgerät, das Monitoring der Auslastung, ein auch nur näherungsweise bestimmter PUE. Ohne Zahlen ist jede Investition eine Wette.
- Die ersten Sprünge lohnen sich am meisten. Der Weg von Stufe 0–1 auf Stufe 2 gelingt größtenteils mit kostengünstigen Maßnahmen: Luftstrommanagement (Warm-/Kaltgänge, Blindpaneele), korrekte Sollwerte, Virtualisierung und Konsolidierung, Abschalten, was nicht gebraucht wird, Deduplizieren der Daten.
- Die richtige Stufe ist nicht die 5. Es ist die, die zu Ihrem Business passt: Die Roadmap dient dazu zu entscheiden, wo sich der Aufstieg lohnt — und wo nicht.
- Auf die Größe kommt es nicht an, auf die Methode schon. Wir haben es an uns selbst erprobt: Unser grünes Rechenzentrum — Free Cooling, Betrieb bei ~28 °C, 100% erneuerbare Energie — wendet die Prinzipien der oberen Stufen des Modells auf eine Struktur an, die kein Hyperscaler ist.
Wie es funktioniert
- Erhebung und Bewertung des Ist-Zustands entlang der Dimensionen Facility und IT des Modells
- Einordnung auf den Reifegradstufen, Bereich für Bereich, und Identifikation der Lücken
- Entwicklungs-Roadmap mit Prioritäten, Aufwand und erwartetem Nutzen — dimensioniert für Ihre Größenordnung
- Die Metriken (PUE, Auslastung, Kapazität) fließen in das kontinuierliche Monitoring ein: Reife wird gehalten, nicht ein einziges Mal zertifiziert
- Integration mit Methoden und Standards: ITIL, serviceorientierte Architekturen
Vorteile
- Investitionen dorthin gelenkt, wo sie am meisten Wert schaffen
- Geplante Weiterentwicklung statt ständig nachgejagter Notfälle
- Eine gemeinsame Zahl, über die sich mit Geschäftsführung und Eigentümern reden lässt: die Ausgangsstufe und die zu erreichende Stufe
- Idealer Ausgangspunkt für Projekte zur Erneuerung der Infrastruktur oder zur Kontinuität
Das Referenzmodell ist das „Data Center Maturity Model“ v1 (2011) von The Green Grid; die genannten Schwellenwerte stammen aus dem Modell, die Lesart für kleinere Umgebungen aus unserer Erfahrung in der Praxis.
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